Mikroplastik

Mikroplastik in Kosmetik: Muss das wirklich sein?

23.700 Tonnen Kunststoffe plus 992 Tonnen Mikroplastik werden jährlich von der Kosmetikindustrie verarbeitet, so das Fraunhofer-Institut Deutschland. Das sind alarmierende Zahlen, denn die kleinen Kunststoffteilchen setzen dem Ökosystem ordentlich zu.

Aber wie gefährlich ist Mikroplastik für die Gesundheit und welche Alternativen haben Sie als Anwender von Shampoo, Cremes und Peelings? Lebensfreude-aktuell beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Mikroplastik in Kosmetik.

Was ist Mikroplastik?

Eine allgemeingültige Definition von Mikroplastik gibt es bislang nicht. Es handelt sich dabei um Kunststoffteile, die kleiner als 5mm sind. Selbst wenn Ihre Pflegeprodukte Mikroplastik enthalten, können Sie das mit dem bloßen Auge vermutlich kaum erkennen.

Experten unterscheiden zwei Formen von Mikroplastik:

  • Primäres Mikroplastik: Darunter fallen sogenannte Basispellets, die als Grundlage für Kosmetik- und Hygieneprodukte dienen, zum Beispiel bei Zahnpasta, Handseife und Peelings. Primäres Mikroplastik befindet sich aber auch in medizinischen Produkten wie Arzneimitteln oder Fasern.
  • Sekundäres Mikroplastik: Durch eine biologische, physikalische oder chemische Degradation (Zersetzung) von Makroplastikteilen entsteht im weiteren Verlauf sekundäres Mikroplastik.

Mikroplastik - eine Gefahr für das maritime Leben

Mikroplastik gelangt schneller als gedacht in Flüsse oder Meere. Das liegt daran, dass die Plastikteilchen so winzig sind.

Nehmen wir an, Sie nutzen ein Peeling, das mithilfe von Mikroplastik Ihre Hautschüppchen entfernen soll. Nach der Anwendung werden die Reste des Produktes mit dem Wasser in Ihren Abfluss gespült.

Über die lokalen Abwässer gelangt das Mikroplastik in die Kläranlagen, die teilweise mit der Filterung der kleinen Partikel überfordert sind. Zwar verbleibt ein Teil im Klärschlamm, ein nicht unerheblicher Rest wird jedoch weitergeleitet in Flüsse und Meere.

Dort angekommen werden sie von Meeresbewohnern gefressen oder auf andere Art passiv aufgenommen. Forscher konnten Mikroplastik bereits in Fischen, Muscheln und Seehunden nachweisen.

Zudem sind die kleinen Plastikteile in der Lage, Umweltgifte anzuziehen. Die Entfernung aus dem Meeresraum ist praktisch unmöglich. Sie gehen in den großen Weiten schlichtweg verloren und können später am Strand angespült, kaum noch von Sandkörnern unterschieden werden.

Aber nicht nur Kosmetikprodukte, sondern auch Kleidungsstücke sind dafür verantwortlich, dass immer mehr Mikroplastik das maritime Leben gefährdet. Schließlich können mit nur einem Waschgang bis zu 2000 Kunstfasern aus einem Fleece-Oberteil in die Meeresumwelt gelangen.

Dabei schwimmt bereits ein riesengroßes Plastikproblem auf unseren Weltmeeren. Schätzungen zufolge treiben 140 Millionen Tonnen in den Ozeanen.

Plastik im Meer

GUT ZU WISSEN!

Der größte Produzent von Mikroplastik sind erstaunlicherweise Autoreifen. Der Abrieb dieser produziert eine unglaubliche Menge von kleinen Kunststoffpartikeln.

Forscher haben Mikroplastik in den Organen nachgewiesen

Nicht nur bei Tieren, auch bei Menschen konnte nachgewiesen werden, dass Mikroplastik vom Körper aufgenommen wird.

Eine viel thematisierte Studie berücksichtigte Befunde aus Japan, Italien, Finnland, Russland, Polen, England, Österreich und den Niederlanden.

In den jeweiligen Ländern erfolgte eine Betrachtung von 8 Probanden, die ein Lebensalter zwischen 33 und 65 Jahren aufwiesen. Die Untersuchung wurde mittels Spektrometrie durchgeführt.

Unter den Studienteilnehmern befanden sich keine Vegetarier aber zwei Probanden, die während der Untersuchung keinen Meeresfisch verzerrt haben. Der überwiegende Teil der Probanden hat regelmäßig aus Plastikflaschen getrunken und Meeresfisch gegessen.

Die Studienergebnisse lassen aufhorchen: Durchschnittlich 20 Mikroplastikpartikel wurden pro 10 g Stuhl nachgewiesen, die wiederum neun verschiedenen Kunststoffarten zugeordnet werden konnten. Am häufigsten wurden Teile aus Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET) gefunden.

Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Ausprägung der Mikroplastikbelastung konnte im Rahmen der Studie aber nicht festgestellt werden, da es sich um eine recht kleine Teilnehmerzahl handelte.

GUT ZU WISSEN!

In weiteren Untersuchungen konnte Mikroplastik auch im Blut, in der Leber und der Lymphflüssigkeit nachgewiesen werden.

Ist Mikroplastik ungesund?

Eine gute Frage, die bis heute nicht abschließend geklärt werden konnte.

Derzeit geht das Bundesinstitut für Risikobewertung davon aus, dass es „unwahrscheinlich“ ist, dass Mikroplastik gesundheitsschädlich ist. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit kommt zu dem gleichen Schluss.

Sollten wir uns dann alle in Sicherheit wiegen? Nicht zwangsläufig, denn Gastroenterologen geben zu bedenken, dass die kleinen Plastikteilchen womöglich eine Gefahr für Menschen mit entzündlichen Erkrankungen des Dünn- und Dickdarms darstellen könnten. Unklar ist, ob die Partikel in der Lage sind, Entzündungsreaktionen zu befeuern.

GUT ZU WISSEN!

Auch die Fragen, ob Mikroplastik womöglich umfangreich vom Darm in den Körper freigesetzt wird und mit welchen gesundheitlichen Folgen dann gerechnet werden muss, bleiben offen.

Zusammenfassung

Experten unterscheiden primäres und sekundäres Mikroplastik. Die primäre Form kommt besonders häufig in Körperpflege- und Hygieneprodukten vor. Bis heute kann nicht abschließend geklärt werden, welche Bedrohung von Mikroplastik ausgeht.

Derzeit sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung aber keinen Anlass für eine Beunruhigung, selbst wenn die Kunststoffteilchen täglich durch Kosmetikprodukte mit der Haut in Kontakt kommen.

Aber es sind nicht nur Kosmetika, die dafür sorgen, dass Ihr Organismus mit den Partikeln konfrontiert wird. Wenn Sie gerne Meeresfisch essen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Sie auch damit bereits Mikroplastik aufgenommen haben.

Das liegt daran, dass die winzigen Partikel in der Kläranlage nicht restlos herausgefiltert werden können und so in Flüsse und Meere wandern. Dort angekommen werden sie von Meeresbewohnern aufgenommen und gelangen so in unsere Nahrungskette.

Letztendlich kann nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass Mikroplastik im Körper nichts anrichtet. Fest steht, dass sich die kleinen Kunststoffteilchen in unserem Organismus befinden können. Wissenschaftler konnten sie bereits im Blut, in der Leber und in der Lymphflüssigkeit nachweisen.

Gastroenterologen diskutieren darüber, ob es Personen gibt, für die die Aufnahme von Mikroplastik sogar gesundheitsschädlich sein könnte. Darunter fallen möglicherweise Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen.

Auch wenn die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit noch nicht allzu dramatisch klingen, für unser Ökosystem ist Mikroplastik ein echtes Problem. Schließlich haben die Ozeane bereits jetzt mit den riesigen Plastikmengen zu kämpfen.

Warum ist Mikroplastik in Kosmetikprodukten enthalten?

Kunststoffe sollen in Kosmetikprodukten zahlreiche Aufgaben erfüllen.

Sie mögen es, wenn Ihr Produkt schäumt und glänzt? Dafür ist Mikroplastik verantwortlich. Daneben sorgt der Zusatzstoff für ein glattes Gefühl von Haut und Haar.

Wenn man es genau nimmt, handelt es sich dabei um eine kleine Mogelpackung, denn durch die Mikrokunststoffe wird lediglich ein dünner Film erzeugt, der sich auf die Oberfläche legt.

GUT ZU WISSEN!

Mikroplastik wird ebenfalls als Füll- und Bindemittel sowie Peelingpartikel in Kosmetika eingesetzt.

Ist ein Verbot von Mikroplastik geplant?

Im Februar dieses Jahres erreichte den Bundesrat eine Bitte. Hamburg und Thüringen haben einen Antrag gestellt, um ein Mikroplastikverbot in der Kosmetik zu erreichen.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) setzt sich dafür ein, dass Mikroplastik und andere Kunststoffpartikel aus Kosmetik- und Hygieneprodukten verbannt werden.

Derzeit kann jedoch lediglich eine Aufforderung an die Bundesregierung gestellt werden, damit ein mögliches Verbot geprüft wird. Ob und wann eine Überprüfung tatsächlich stattfindet, bleibt offen.

Immerhin arbeiten Unternehmen nach eigenen Angaben zufolge daran, „Bio- Polymere“ verstärkt in die Produktion einfließen zu lassen. Tonerde oder Bienenwachs wären eine umweltschonende Alternative.

Wie Sie Mikroplastik erkennen können

Sie als Konsument haben die Möglichkeit, jederzeit auf ein Produkt umzusteigen, welches Mikroplastik nicht verwendet. Dafür ist es natürlich wichtig, zu wissen, welchen Decknamen Mikroplastik verwendet.

Unser Tipp: Studieren Sie die Liste der Inhaltsstoffe. Chemisch produzierte Plastikzusätze tragen folgende Bezeichnungen:

  • Acrylate Copolymer (AC)
  • Acrylate Crosspolymer (ACS)
  • Dimethiconol
  • Polyamide (PA, Nylon)
  • Polymethylmetacrylate (PMMA)
  • Polyquaternium (PQ)
  • Polyethyleneterephtalate (PET)
  • Polyethylene (PE)
  • Methicone
  • Polyethyleneglycol (PEG)
  • Polyacrylate (PA)
  • Polypropylene (PP)
  • Siloxane
  • Polypropyleneglycol (PPG)
  • Polystyrene (PS)
  • Polyurethane (PUR)

GUT ZU WISSEN!

Es ist nicht unbedingt notwendig, auf die Suche nach zungenbrecherischen Inhaltsstoffen zu gehen. Die Smartphone-Apps Code Check und Beat The Microbead helfen dabei, den unliebsamen Zusätzen auf die Schliche zu kommen.

Die Alternative: Naturkosmetik

Sie möchten komplett auf Nummer sicher gehen? Dann ist Naturkosmetik die richtige Wahl für Sie, denn diese kommt ganz ohne Mikroplastik aus.

Stattdessen setzen die Produzenten von Naturkosmetik auf natürliche Alternativen wie Kreide, Kieselmineralien, Salz, Tonerde, Nussschalen, Traubenkerne und Weizenkleie.

Naturkosmetik erkennen Sie an den entsprechenden Labels.

Auf folgende Bio-Siegel ist Verlass:

  • BDIH
  • Natrue
  • Ecocert
Peeling ohne Mikroplastik
Peeling ohne Mikroplastik

Fazit

 

Mikroplastik ist häufig in Kosmetikartikeln enthalten. Dabei kommt die primäre Form zum Einsatz, die als Füll- oder Bindemittel dienen soll. Zudem macht sie Haut und Haar zauberhaft glatt.

Mikroplastik ist jedoch ein Problem für die Umwelt. Über den Abfluss gelangt der Zusatzstoff in die Kläranlagen und kann dort nicht vollständig herausgefiltert werden. Im Meer angekommen, wird es von den maritimen Bewohnern aufgenommen und damit letztendlich auch von uns.

Zudem befindet sich bereits jetzt schon zu viel Kunststoff in den Ozeanen, was das Ökosystem nachhaltig belastet.

Ob Mikroplastik auch ungesund für den menschlichen Organismus ist, konnte bislang nicht eindeutig beantwortet werden. In Studien konnte jedoch belegt werden, dass Mikroplastik sich im Blut und Darm, in der Leber sowie in der Lymphflüssigkeit nachweisen lässt.

Auch wenn das Bundesinstitut für Risikobewertung derzeit davon ausgeht, dass Mikroplastik keine Gefahr für die Gesundheit darstellt, vermuten Gastroenterologen, dass die Partikel nicht für alle Menschen ungefährlich sind.

Patienten mit entzündlichen Erkrankungen des Dünn- und Dickdarms könnte die Aufnahme von Mikroplastik belasten und womöglich Entzündungen verstärken.

Insbesondere der BUND kämpft dafür, dass Mikroplastik in Kosmetika verboten wird. Derzeit ist ein Verbot allerdings nicht vorgesehen. Erfreulicherweise beschäftigen sich einige Hersteller damit, welche umweltverträglichen Alternativen zum Einsatz kommen könnten. Dabei sind Tonerde und Bienenwachs im Gespräch.

Sie als Anwender haben die Möglichkeit, Produkte zu bevorzugen, die kein Mikroplastik enthalten. Dafür sollten Sie aufmerksam die Liste der Inhaltsstoffe studieren.

Apps wie Codecheck helfen dabei, die unliebsamen Zusätze aufzuspüren. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen möchten, sollten Sie auf Naturkosmetik setzen, denn diese ist garantiert frei von Mikroplastik.

Quellen

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